Freiheitsentzug in der Schweiz

Freiheitsentzug kann im Rahmen der Untersuchungs- und Sicherheitshaft, des (vorzeitigen) stationären Straf-und Massnahmenvollzugs, der ausländerrechtlichen Administrativhaft sowie der fürsorgerischen Unterbringung angeordnet werden.

Der Straf- und Massnahmenvollzug ist in der Schweiz weitgehend Sache der Kantone. Die Kompetenzen der Kantone haben sich im Rahmen dessen zu bewegen, was die Bundesgesetzgebung vorgibt. Das schweizerische Strafgesetzbuch bestimmt, gestützt auf die Bundesverfassung (SR. 101), dass die Menschenwürde des Gefangenen oder des Eingewiesenen zu achten ist und seine Rechte nur so weit beschränkt werden dürfen, als der Freiheitsentzug und das Zusammenleben in der Vollzugseinrichtung es erfordern (Art. 74 StGB).

Das Strafgesetzbuch ergänzt diese grundlegenden Prinzipien um die allgemeinen Strafvollzugsgrundsätze (Art. 75 Abs. 1 StGB) wie die Förderung des sozialen Verhaltens, insbesondere der Fähigkeit straffrei zu leben, die Pflicht zur Betreuung, zur Entgegenwirkung der schädlichen Folgen und zum Schutz der Allgemeinheit, des Vollzugspersonals und der Mitgefangenen angemessen Rechnung zu tragen. Das Strafgesetzbuch macht verbindliche Vorgaben insbesondere zur Arbeit, den Beziehungen zur Aussenwelt, zur Kontrolle und dem Disziplinarwesen (Art. 74-92 StGB). Durch die Schaffung von drei Konkordaten, deren Ziel auch eine schweizweite Harmonisierung der Richtlinien im Strafvollzug ist, wurde die Koordination zwischen den einzelnen Kantonen wesentlich verbessert. Kantonale und regionale Unterschiede bleiben bei der Ausgestaltung des Freiheitsentzugs aber bestehen.

In der Schweiz gibt es 110 Einrichtungen (2012), die Strafen und strafrechtliche Massnahmen vollziehen. Die Einrichtungen dienen mehrheitlich dem Vollzug der Untersuchungshaft, der Halbgefangenschaft und dem Vollzug kurzer Strafen. Für den Vollzug längerer Strafen und Massnahmen stehen rund dreissig mittlere bis grössere offene und geschlossene Einrichtungen zur Verfügung. Die meisten Einrichtungen verfügen über weniger als 100 Plätze; nur vier Vollzugsanstalten weisen mehr als 200 Plätze auf.

nach oben Letzte Änderung 28.08.2014